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Übergewicht: Deutsche immer dicker
Die Deutschen vergreisen nicht nur: Mediziner schlagen Alarm, weil
immer mehr Kinder und Jugendliche zu fetten Müßiggängern
werden.
Wenn Eberhard Keller sich die Gewichtsentwicklung deutscher Kinder der letzten Jahren anschaut, sieht er eine Katastrophe auf das Land zukommen. "Die Zahl übergewichtiger Kinder hat sich in zehn Jahren verdoppelt", sagt der Medizin-Professor. Und die kleinen Dicken sind die Problempatienten von Morgen - mit Bluthochdruck, Diabetes, Herzinfarkt oder Arthrose.
Keller, der an der Leipziger Universitätsklinik forscht, sammelt schon seit mehreren Jahren Wachstumsdaten von Kindern. Die Datenbank des Projekts CrescNet umfasst inzwischen bundesweit 180 000 Heranwachsende. Gespeichert sind unter anderem Gewicht und Größe. Die Daten werden mehrmals jährlich von hunderten Kinderpraxen geliefert und aktualisiert. Jeden Fünften der erfassten Heranwachsenden stuft Keller als übergewichtig ein, rund sieben Prozent sogar als fettsüchtig. Fettsucht gilt laut Weltgesundheitsorganisation WHO als Krankheit.
Betroffene Kindern und Jugendlichen haben häufig einen gestörten Glukosestoffwechsel, mitunter tritt sogar Diabetes vom Typ 2 auf, wie sie bisher nur unter älteren Erwachsenen vorkam. Vor 20 Jahren war Derartiges für Kinderärzte unvorstellbar, als Kinder noch rank und schlank waren.
Wenig Bewegung, viel Fastfood
Den Anstieg der Fettsucht bei Kindern erklären sich Mediziner mit den radikalen Veränderungen im Lebensstil. Da ist zum einen der Bewegungsmangel: Gespielt wird nur noch am PC statt auf dem Bolzplatz. Und da sind die verführerischen Snacks und Fastfood-Gerichte: Mit der energiereichen Nahrung mästen sich die Teenager selbst. Sind sie erst einmal pummelig, werden sie verspottet und ziehen sich noch mehr in ihre vier Wände zurück.
Amerikanische Verhältnisse drohen
Der jetzt beobachtete Gewichtsschub unter Teenagern wird in ein paar Jahren die Erwachsenen erreichen. Dann drohen amerikanische Verhältnisse, befürchtet mancher Mediziner.
Bereits heute unterscheiden sich die Zahlen für Übergewichtige kaum noch: 64 Prozent der US-Bürger wiegen zu viel, hierzulande sind es 60 Prozent. Nur bei den Superdicken haben die USA noch einen Vorsprung: Dort ist fast jeder Dritte fettsüchtig, in Deutschland jeder Fünfte. Kein Grund zur Entwarnung: Die aktuellen Zahlen aus Deutschland entsprechen etwa denen aus den USA von vor zehn Jahren.
Gerade in den ostdeutschen Bundesländern sind viele Menschen übergewichtig: Zwar mussten die Ostdeutschen vierzig Jahre lang auf McDonalds & Co. verzichten, doch Bulletten, Broiler und DDR-Schokolade haben offenbar noch besser angesetzt. Vor allem Frauen aus der Ex-DDR bringen deutlich mehr auf die Waage als ihre Geschlechtsgenossinnen im Westen.
Übergewicht genetisch vorprogrammiert?
Der Hang zum Fett scheint genetisch programmiert zu sein, denn er tritt bei Kindern vorbelasteter Eltern besonders häufig auf. G efunden haben die Mediziner die Dickmach-Gene jedoch noch nicht.